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<title>Hand der Fatima</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Hand der Fatima</span></h1>
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<p>Die <b>Hand der Fatima</b> (auch <i>Hamsa, Chamsa, Khamsa</i>, <a href="Arabische_Sprache" title="Arabische Sprache">arabisch</a> <bdo dir="ltr"><bdi dir="rtl" lang="ar" class="arabic spanAr" style="unicode-bidi:isolate;font-size:120%;">خمسة</bdi></bdo>, <a href="DIN_31635" title="DIN 31635">DMG</a> <i><span lang="ar-Latn" style="font-style:italic">ḫamsa</span></i> ‚fünf‘) ist ein kulturelles Zeichen im <a href="Islam" title="Islam">islamischen</a> <a href="Volksglaube" title="Volksglaube">Volksglauben</a> <a href="Nordafrika" title="Nordafrika">Nordafrikas</a> und des <a href="Naher_Osten" title="Naher Osten">Nahen Ostens</a>. Es gilt als universell schützend und als wirksamste Abwehrmaßnahme im Kampf gegen die <a href="Dschinn" title="Dschinn">Dschinn</a> und den <a href="B%C3%B6ser_Blick" title="Böser Blick">Bösen Blick</a>. Das schützende Handsymbol ist im Orient bei den Juden als <i>Hand der Mirjam</i> und bei den Christen als <i>Hand der Maria</i> bekannt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Zur_Namensgebung">Zur Namensgebung</h2></div>
<p>Der Name geht auf <a href="Fatima_bint_Muhammad" title="Fatima bint Muhammad">Fatima</a> (606–632), jüngste Tochter des Propheten <a href="Mohammed" title="Mohammed">Mohammed</a> mit seiner ersten Ehefrau <a href="Chadidscha_bint_Chuwailid" class="mw-redirect" title="Chadidscha bint Chuwailid">Chadidscha</a>, zurück. Sie wird als sündenfreie Jungfrau verehrt. Da ihre Kinder als einzige bis ins Erwachsenenalter am Leben blieben, ist sie zugleich Mutter der <a href="Aliden" title="Aliden">Aliden</a> und damit Mutter aller Nachkommen Mohammeds und Vorbild für die heutigen Mütter. Es gibt bei beiden Zuschreibungen Parallelen zur christlichen Verehrung der <a href="Maria_(Mutter_Jesu)" title="Maria (Mutter Jesu)">Maria</a>, die als Mutter Jesu geehrt wird. Fatima wird unter anderem als <i>al-Batul</i> („die Jungfrau“) und als „Königin der Frauen des Paradieses“ bezeichnet.
</p><p>Im nordafrikanischen Volksislam haben sich vorislamische Traditionen und Glaubensinhalte des <a href="Sufismus" title="Sufismus">Sufismus</a> vermischt. Sufi-Anhänger haben eine engere gefühlsmäßige Beziehung zur Familie des Propheten (<i><a href="Ahl_al-bait" title="Ahl al-bait">Ahl al-bait</a></i>) und den Nachkommen Fatimas (<i><a href="Sayyid" title="Sayyid">Sayyid</a></i>), allerdings ohne in der Frage der Rechtsnachfolge Mohammeds die Position der <a href="Schia" title="Schia">Schiiten</a> zu übernehmen. Der Name und die Abstammung von Fatima wurden von der Dynastie der <a href="Fatimiden" title="Fatimiden">Fatimiden</a> beansprucht.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Bedeutung">Bedeutung</h2></div>
<p>Gemäß dem islamischen Volksglauben muss im Alltag ständig auf <a href="Dschinn" title="Dschinn">Dschinn</a> Rücksicht genommen werden. Dschinn ist eine Sammelbezeichnung für mehr oder weniger gute oder böse Geister, die zwar nicht besiegt, aber durch Abwehrzauber gebannt werden können. Ursprung des Glaubens an die Dschinn ist <a href="Sure_72" class="mw-redirect" title="Sure 72">Sure 72</a>. In dieser Sure werden die Dschinn als real dargestellt. Sie haben Gottes Wort im <a href="Koran" title="Koran">Koran</a> gehört und bekennen sich hier ausdrücklich als gläubige Wesen.
</p><p>Eine weitere Gefahr soll durch den <i>Bösen Blick</i> drohen, dessen Ursache der Neid (<i>hassad</i>) ist, den das Opfer oft durch Unvorsichtigkeit selbst heraufbeschwört. In <a href="Al-Falaq" class="mw-redirect" title="Al-Falaq">Sure 113</a> wird unter anderem göttlicher Schutz vor dem Neid erbeten. Dieser soll sich durch faktisches Handeln oder <a href="Feinstofflichkeit" title="Feinstofflichkeit">feinstofflich</a> äußern können. Weltweit wird Neid in vielen Kulturen als eine Gefahr empfunden, vor der besonders kleine Kinder geschützt werden müssen. Dieser Bedrohung meint man entgehen zu können, indem man dem Kind zunächst einen hässlichen Namen gibt oder es mit hässlichen Zeichen bemalt, damit es nicht bemerkt wird. Speziell in der islamischen Volkskultur werden zur Abwehr des <i>Bösen Blicks</i> auch <a href="Amulett" title="Amulett">Amulette</a> mit Koransuren, Ketten aus Bernstein oder eben die abwehrende Hand der Fatima verwendet. Amulette, die Koranzitate enthalten, sind im Islam zulässig (sie stehen nicht im Widerspruch zum Einheitsbekenntnis <a href="Tauh%C4%ABd" title="Tauhīd">Tauhīd</a>). Das Vertrauen auf Glücksbringer, die magische Zeichen beinhalten, gilt dagegen als Aberglaube (Beigesellung – <a href="Schirk" title="Schirk">Schirk</a>). Besondere Dufthölzer (Weihrauch – <i>bachûr</i>) zu verbrennen ist ein alter orientalischer Brauch und soll ebenfalls hilfreich gegen den Neid sein. Wenn Mütter ungern die Zahl ihrer Kinder nennen, so haben sie Angst vor Neid. Wertende Äußerungen gegenüber anderen Menschen sollten unterlassen werden, da sie sich als Missgunst und üble Nachrede („böse Zunge“) rächen könnten. Selbst Lob könnte gegenteilig aufgefasst werden und Schaden verursachen.
</p>
<p>Die Hand der Fatima ist einmal als Distanzgeste ein <a href="Magie" title="Magie">magisches</a> Abwehrmittel, zum anderen ist es eine Segen spendende Hand, ein Symbol für Kraft und Glück. In der Bedeutung als Glückssymbol findet sich das Zeichen im <a href="Wappen_Algeriens" class="mw-redirect" title="Wappen Algeriens">Wappen Algeriens</a> und war auf den Fahnen des türkischen <a href="Janitscharen" title="Janitscharen">Janitscharen</a>korps abgebildet.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Dem Vieh werden Khamsa-Halsketten zum Schutz vor Krankheiten umgehängt; die Hand ist auf manche Trommeln gemalt, die für <a href="Besessenheit" title="Besessenheit">Besessenheits</a>rituale verwendet werden. Als modisches Accessoire in westlichen Ländern kommt die Hand der Fatima auch ohne eigentliche Bedeutung aus.
</p><p>Der arabische Name rührt von den fünf gezeigten Fingern der geöffneten Handfläche. Die Zahl Fünf selbst kann eine Schutzfunktion haben oder als Drohung verwendet werden, der Fluch <i>chamsa fi aïnek</i> („fünf in dein Auge“) kann zugleich den Bösen Blick abwenden.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Zahl Fünf hat weitere symbolische Bedeutungen, die jedoch alle im <a href="Koran" title="Koran">Koran</a> noch nicht ausgeführt werden. Im Koran kommt die Fünf allgemein schlicht im Zusammenhang mit großen Mengen vor.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Zahl steht gemäß dem <a href="Gabriel-Hadith" title="Gabriel-Hadith">Gabriel-Hadith</a> im Besonderen für die <a href="Islam#Fünf_Säulen" title="Islam">fünf Grundpflichten</a> des Islams. Sie kann auch für jene fünf Personen stehen, die „Gott unter seinen Mantel“ (seinen besonderen Schutz) genommen hat. In der Türkei ist hierfür der aus der persisch-türkischen Mystik stammende Begriff <i>pençe-i âl-i abâ</i> geläufig, der sich aus <i>pençe</i> (von <a href="Indogermanische_Sprachen" title="Indogermanische Sprachen">indogermanisch</a> <i>penk-</i>, „fünf“) und dem arabischen <i>āl al-ʿabā</i> zusammensetzt, einem Synonym für <i><a href="Ahl_al-Kisa" class="mw-redirect" title="Ahl al-Kisa">ahl al-kisāʾ</a></i>, den „Leuten des Mantels“. Diese Personen wurden im <a href="Hurufismus" title="Hurufismus">Hurufismus</a> und der <a href="Batiniyya" class="mw-redirect" title="Batiniyya">Batiniyya</a> als Hand dargestellt. Die fünf Finger repräsentierten hierbei den Propheten <a href="Mohammed" title="Mohammed">Mohammed</a> und seine nächsten Verwandten: Fatima, ihren Ehemann <a href="%CA%BFAl%C4%AB_ibn_Ab%C4%AB_T%C4%81lib" title="ʿAlī ibn Abī Tālib">Ali</a> und dessen Söhne <a href="Hasan_ibn_%CA%BFAl%C4%AB" class="mw-redirect" title="Hasan ibn ʿAlī">Hasan</a> und <a href="Al-Husain_ibn_%CA%BFAl%C4%AB" title="Al-Husain ibn ʿAlī">Husain</a>. Die Hand symbolisierte Gott.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In unterschiedlichen Volkserzählungen wird das Symbol der Hand in Erlebnissen mit schrecklichem Ausgang für Fatima begründet.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Als <i><a href="Al_Khamsa" title="Al Khamsa">Al Khamsa</a></i> ist die Legende der fünf folgsamen Stuten Mohammeds bekannt.
</p><p>Die mit verschiedenen Namen (<a href="Astarte" title="Astarte">Astarte</a>, <a href="Tanit" title="Tanit">Tanit</a>, Aschtoret) belegte alte Fruchtbarkeits- und Schutzgöttin des östlichen Mittelmeerraumes wurde mit Kind im linken Arm und erhobener rechter Hand abgebildet. Von dort gelangte sie mit den <a href="Ph%C3%B6nizien" title="Phönizien">Phöniziern</a> nach Nordafrika und wurde ab der Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. als Tanit Hauptgöttin von <a href="Karthago" title="Karthago">Karthago</a>. Das Zeigen der offenen Hand hat universelle schützende oder segnende Symbolkraft, entsprechend finden sich Handabdrücke bereits an steinzeitlichen Höhlen. Die Bedeutungsdimension der Fatima-Hand geschichtlich von der Göttin Tanit herzuleiten, ist daher nur eine Möglichkeit, würde aber immerhin eine Erklärung für die geografische Verbreitung bieten.<sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Christen kennen analog eine segnende <i>Hand der Maria,</i> auch als Geste der Verkündigung. Bei Juden gibt es die <i>Hand der Miriam,</i> benannt nach <a href="Mirjam_(Prophetin)" title="Mirjam (Prophetin)">Mirjam</a>, der älteren Schwester von <a href="Mose" title="Mose">Moses</a> und <a href="Aaron_(biblische_Person)" title="Aaron (biblische Person)">Aaron</a>. Diese drei führten beim <a href="Auszug_aus_%C3%84gypten" title="Auszug aus Ägypten">Exodus</a> die Israeliten ins gelobte Land <a href="Kanaan" title="Kanaan">Kanaan</a>.
</p><p>Alternativen Schutz sollen Fischsymbole und bei Frauen <a href="Mehndi" title="Mehndi">Henna-Tätowierungen</a> bieten. Fisch steht als Wasserelement in der Wüstenregion für Leben und Fruchtbarkeit. Henna selbst hat schützende Funktion, in diese Farbe getauchte Hände werden noch heute über Hauseingängen gestempelt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Abbildung">Abbildung</h2></div>
<p>Die Darstellungen unterliegen praktisch keinen formalen Beschränkungen, höchstens denen der Phantasie. Häufig ist die Grundform symmetrisch, Daumen und kleiner Finger entsprechen sich. Die Finger der Hand können nach oben oder unten gerichtet sein. Ein Kompositsymbol ist die abwehrende Hand mit einem großen Auge in der Mitte (<i>Auge der Fatima</i>) oder mit dem Schriftzug Allahs. Die Hand findet sich groß auf Hauswände gemalt, als Buchillustration, zusammen mit Segenssprüchen in einem Amulett oder als kleiner silberner Anhänger mit blauem Auge darin in bunten Schmuckkettchen.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Silber erscheint als das reinste Material. Es ist die Farbe des Mondes und wird im Koran als geeignetes Material für Armringe erwähnt (<a href="Al-Ins%C4%81n" title="Al-Insān">Sure 76</a>: 21). Nach der <a href="Hadith" title="Hadith">Überlieferung</a> trug Mohammed einen Ring aus Silber (so bei <a href="Al-Buch%C4%81r%C4%AB" title="Al-Buchārī">Al-Buchārī</a>, 5866). Die Hand als Frauenschmuck ist also ästhetisch, schützend und Wertobjekt.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p><a href="Nazar-Amulett" title="Nazar-Amulett">Das blaue Auge</a> fixiert auch allein den <a href="B%C3%B6ser_Blick" title="Böser Blick">bösen Blick</a>, es heißt <i>Nazar</i> (arabisch „Blick“) und wird besonders in der Türkei als Amulett getragen.<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Wirkmacht des magischen Auges wird über die Jahrtausende vom <a href="Horusauge" title="Horusauge">Horusauge</a> des ägyptischen <a href="Altes_Reich_(%C3%84gypten)" class="mw-redirect" title="Altes Reich (Ägypten)">Alten Reiches</a> hergeleitet, wo es bereits als Amulett getragen und den Toten als Beschützer für die jenseitige Welt mitgegeben wurde. Die geschichtliche Dimension steigert die Bedeutung des kombinierten Zeichens.
</p><p>Es gibt einen Unterschied zwischen magischen Zeichen, wie es die Hand der Fatima darstellt, und den Niederschriften von Koransuren, wie sie von verehrten Korangelehrten (allgemein <i>Faki,</i> unterschiedliche lokale Bezeichnungen)<sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> zu denselben Zwecken angeboten werden. Beide werden vorwiegend als Amulette getragen. Die arabischen Schriftzeichen, die als „Briefchen“ im Amulett (<i>hijāb</i>) enthalten sind, entfalten nur ihre gedachte Wirkung, wenn sie sicher verborgen sind. Es wäre auch für den Eigentümer selbst gefährlich, sie zu sehen. Die Hand der Fatima muss dagegen, da sie vorwiegend der Abwehr äußerer Gefahren dienen soll, auch nach außen sichtbar getragen werden.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Chomeissa_bei_den_Tuareg">Chomeissa bei den Tuareg</h3></div>
<p>Für die <a href="Tuareg" title="Tuareg">Tuareg</a> sind Geister, die häufig vorislamischen Ursprung haben, überall in der Natur zu finden. Neben dem Bösen Blick, der bei ihnen <i>Togerschek</i> heißt, kennen sie eine ähnlich böswillige Kraft <i>Etama,</i> die „Strafe für Geiz“ bedeutet und über die insbesondere die am Rande der Gesellschaft stehenden Schmiede verfügen. Es darf keine Bitte ausgeschlagen werden; um nicht in eine verfängliche Situation zu geraten, braucht es umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen. Wegen dieser Ängste muss eine besondere Form der Fatima-Hand, <i>Chomeissa</i> (von <i>Chamsa,</i> „fünf“), als Amulett getragen werden. Als Amulett-Schmuck an einer Halskette ist die Chomeissa für Tuaregfrauen unverzichtbarer Bestandteil ihrer Kleidung. Die Hand ist zu einer geometrischen Form aus gleichseitigen Dreiecken abstrahiert, fünf gleich große Dreiecke bilden die Finger. Ein auf der Seite stehendes Dreieck bedeutet Auge. Dem Material kommt ebenfalls Bedeutung zu: Eisen gilt als ungeeignet (es ist das Material der Schmiede), Silber wird auch hier eine positive magische Wirkung zugesprochen. Holz und Ziegenleder werden als neutral eingestuft, wirkungsvoll erscheint hingegen die Haut von <a href="Klippschliefer" title="Klippschliefer">Klippschliefer</a> und <a href="Hy%C3%A4nen" title="Hyänen">Hyäne</a>. Aus Dreiecken zusammengesetzter Silberschmuck wird auch von den <a href="Berber" title="Berber">Berber</a>-Frauen Südmarokkos getragen. In einer Bedeutung, die der Dreiecksform und dem Material Silber entspricht, wird die Farbe Weiß eingesetzt. Weiß wird allgemein in Afrika selten als neutrale Farbe empfunden: es steht für Glück (zum Beispiel bei den <a href="Merisa#Habboaba-Krankheit_bei_den_Berti" title="Merisa">Berti</a> im Sudan) oder Tod (<a href="Afrikanische_Kosmogonie#Termitenhügel" title="Afrikanische Kosmogonie">Weiße Ameisen</a>). Im Süden des Tuareggebiets besteht die Chomeissa aus weißen Muscheln (meist <a href="Kaurischnecken" title="Kaurischnecken">Kaurischnecken</a>).<sup id="cite_ref-11" class="reference"><a href="#cite_note-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Zierfransen_an_Ledersäcken_bei_den_Bidhan"><span id="Zierfransen_an_Leders.C3.A4cken_bei_den_Bidhan"></span>Zierfransen an Ledersäcken bei den Bidhan</h3></div>
<p><a href="Bidhan" title="Bidhan">Bidhan</a> ist die Eigenbezeichnung für die in der westlichen Sahara lebenden <a href="Mauren" title="Mauren">Mauren</a>, sie bilden die größte Volksgruppe in <a href="Mauretanien" title="Mauretanien">Mauretanien</a>. Zu ihrer traditionell nomadischen Lebensweise gehörte als unentbehrlicher Einrichtungsgegenstand in den <a href="Schwarzzelt" title="Schwarzzelt">schwarzen Zelten</a> (<i>chaima</i>) die <i>tazāye</i> (<a href="Plural" title="Plural">Plural</a> <i>tiziyāten</i>), ein großer, aus drei Teilen zusammengenähter Sack aus festem Kamelleder für die Frauen, der zur Aufbewahrung von wertvollen Dingen wie Kleidung oder Nahrungsmitteln (Zucker, Tee) dient. An einer Seite sind zur Verzierung fünf etwa 70 Zentimeter lange und unterschiedlich breite Streifen aus feinerem Schaf- oder Ziegenleder angebracht. Der mittlere ist mit typischerweise 24 Zentimetern am breitesten, die seitlich nächsten Streifen messen etwa 6 Zentimeter, die beiden äußeren Streifen sind wieder etwas breiter (um 10 Zentimeter). Die Fransen (Plural <i>gsas</i>) sind durch Lederschnittmuster und Bemalung mit geometrischen Ornamenten verziert. Mit der äußeren Form wird die Fatimahand aufgenommen. Zu den festen Regeln der Gestaltung gehört bei der Ornamentik die Symmetrie und der wiederholte Bezug auf die Zahl Fünf. Die mittlere der fünf Fransen wird besonders reich verziert, sie ist in der Länge in fünf Abschnitte gegliedert, wobei zwei mittlere quadratische Felder entstehen. Deren Innendekor betont wiederum die Zahl Fünf, indem sich zum Beispiel vier Randquadrate um ein Mittelfeld gruppieren. Linien innerhalb dieser Felder können das aus der Zahl fünf hergeleitete Strukturprinzip theoretisch bis zur Unsichtbarkeit weitertreiben. Diese Gestaltungsregeln gelten prinzipiell für fast die gesamte maurische Ornamentik. So findet sich die Fünf auch als Muster auf den Armlehnkissen <i><a href="Surmije" title="Surmije">surmije</a></i>.
</p><p>Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts begann zusammen mit anderen Formen der kulturellen Tradition die Verwendung der <i>tiziyāten</i> zurückzugehen, die fünf Fransen wurden abgeschnitten und dienen seither überwiegend als Wandschmuck. Viele der kostbaren Fransen an den Ledersäcken, die traditionell auch von den <a href="Saharauis" class="mw-redirect" title="Saharauis">Saharauis</a> verwendet werden, gelangten Ende der 1970er Jahre während des <a href="Westsaharakonflikt" title="Westsaharakonflikt">Unabhängigkeitskampfes</a> um das Gebiet <a href="Westsahara" title="Westsahara">Westsahara</a> auf die marokkanischen Märkte und in den Kunsthandel.<sup id="cite_ref-12" class="reference"><a href="#cite_note-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Handabdruck_im_Sudan">Handabdruck im Sudan</h3></div>
<p>Die Verwendung von Henna hat im <a href="Sudan" title="Sudan">Sudan</a> in besonderem Maße Bedeutung als magische Abwehr gegen den Bösen Blick und anderes Unheil. Am besten zu verdeutlichen ist das an den streng ritualisierten mehrtägigen Heiratszeremonien, in welchen bei mehreren Gelegenheiten Henna zum Einsatz kommen muss. Der Bräutigam ehrt die Braut, indem er ihr Henna in ihre Handflächen drückt, ein Zeichen für dem Färbemittel zugedachte Segenskraft (<i><a href="Baraka_(Segenskraft)" title="Baraka (Segenskraft)">Baraka</a></i>). Erster Höhepunkt ist die „Henna-Nacht“, bei der Fußsohlen und Handflächen des Bräutigams mit Henna gefärbt werden, zu einem späteren Zeitpunkt führt die Braut einen Tanz auf, vor dem sie mit Henna-Mustern möglichst kunstvoll geschmückt werden muss. In jedem Fall gilt es, durch das Henna die periodisch wiederkehrende Gefahr <i>Mushāhara</i> abzuwehren. (Das Tragen weißer Kleidung gilt, der bereits erwähnten Bedeutung dieser Farbe entsprechend, ebenfalls als schützend.)
</p>
<p>Ein früher häufig außen über der Eingangstür der Gehöfte aus Stampflehmmauern angebrachtes Abwehrzeichen im muslimischen Norden des Sudan war der mit Hennafarbe hergestellte Handabdruck, der wie die gemalte Hand <i>chamsa</i> genannt wird und die fünf Grundpflichten des Islam symbolisiert. Diese Bauweise wurde auch in Dörfern weitgehend durch die Verwendung von gebrannten Ziegeln mit Zementputz ersetzt, wodurch mit der traditionellen Bemalung der Außenwände auch die Handabbildung praktisch verschwunden ist.<sup id="cite_ref-14" class="reference"><a href="#cite_note-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Handabdrücke sind dagegen auf die Innenwände des Frauenbereichs (<i>hosh harīm</i>), der einem vermehrten Schutzbedürfnis unterliegt, aufgebracht. Im streng abgeschiedenen sakrosankten Raum der Frauen besitzt zusätzlich ein zentraler, das Dachgebälk tragender Pfosten durch die an ihm angebrachten Amulette magische Kraft. An diesen Pfosten gelehnt soll die Frau Kinder gebären.<sup id="cite_ref-15" class="reference"><a href="#cite_note-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Die Hand der Fatima ist im Sudan als grafisches Symbol im Alltag weit verbreitet. Es findet sich im Titel amtlicher Formblätter von Verwaltungsbehörden und Polizei.
</p><p>Die Augen der Neugeborenen werden nach altarabischer Praxis die ersten 40 Tage vor dem Bösen Blick mit <a href="Stibnit" title="Stibnit">Antimon</a> schwarz umrandet. Die Furcht vor dem Bösen Blick ist im Sudan allgegenwärtig und keineswegs nur auf den islamischen Volksglauben beschränkt. So schreibt <a href="Rudolf_Slatin" title="Rudolf Slatin">Rudolf Slatin</a>, der als <a href="Anglo-%C3%84gyptischer_Sudan" title="Anglo-Ägyptischer Sudan">angloägyptischer</a> Gouverneur von <a href="Darfur" title="Darfur">Darfur</a> in Gefangenschaft des <a href="Muhammad_Ahmad" title="Muhammad Ahmad">Mahdi</a> geriet und bis 1895 im Umfeld von dessen Nachfolger <a href="Abdallahi_ibn_Muhammad" title="Abdallahi ibn Muhammad">Abdallahi ibn Muhammad</a> lebte, von der Angst dieses strenggläubigen Mannes vor dem Bösen Blick.<sup id="cite_ref-16" class="reference"><a href="#cite_note-16"><span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Gegen den Bösen Blick, den Neid, <i>Mushāhara, <a href="Dschinn" title="Dschinn">Dschinn</a></i> und die besitzergreifenden Geister, die unter die Rubrik <i><a href="Islam_in_Afrika#Sudan_II_–_Zar-Kult_und_die_Rolle_der_Frauen" title="Islam in Afrika">Zar</a></i> fallen, gibt es im Sudan neben dem Handsymbol noch zahlreiche weitere Abwehrmittel und Rituale.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Handabdruck_als_Glückssymbol_beim_Opferfest_in_Ägypten"><span id="Handabdruck_als_Gl.C3.BCckssymbol_beim_Opferfest_in_.C3.84gypten"></span>Handabdruck als Glückssymbol beim Opferfest in Ägypten</h3></div>
<p>Beim <a href="Islamisches_Opferfest" title="Islamisches Opferfest">islamischen Opferfest</a> (<i>Īd ul-Adha</i>) gilt die Verwendung des Glück bringenden Opferbluts als verstärkende Wirkung des Handabdrucks. In <a href="%C3%84gypten" title="Ägypten">Ägypten</a> erfolgt die private rituelle Opferzeremonie vor oder im Eingangsbereich der Häuser. Unmittelbar nachdem dem Opfertier – zumeist Schafe oder Rinder – die Kehle durchtrennt ist, werden die Hände in das heraustretende Blut gehalten und es wird der rechte Handabdruck an Hauswänden als sichtbares Zeichen nach Beendigung des Rituals hinterlassen. Der in den Tagen des Opferfests über die Straßen gehängte Schmuck aus Papier oder Lichterketten können ebenfalls die Form von Fatimahänden annehmen.
</p><p>Entsprechende Praktiken beim Opferfest gibt es auch in anderen Ländern des Nahen Ostens. In <a href="Syrien" title="Syrien">Syrien</a> werden an einigen abgelegenen sakralen Plätzen vorwiegend am Freitag, dem wöchentlichen Ruhetag, von den <a href="Sunniten" title="Sunniten">sunnitischen</a> Pilgern Schlachtopfer vollzogen und die in das Blut getauchten Hände auf die Mauern gedrückt. Das regional bekannteste Pilgerziel ist das in Nordwestsyrien gelegene Mausoleum <a href="Kyrrhos" title="Kyrrhos">Nebi Huri</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Siegfried Seligmann: <i>Der böse Blick und Verwandtes. Ein Beitrag zur Geschichte des Aberglaubens aller Zeiten und Völker.</i> 2 Bände in einem Band, Hermann Barsdorf, Berlin 1910 (Nachdruck: Olms, Hildesheim 1985, ISBN 3-487-07665-9) Band 2, S. 164–188. <a rel="nofollow" class="external text" href="https://archive.org/details/derbseblickund01seliuoft/mode/1up"><span style="font-style:italic;">Weite Verbreitung des Handsymbols als Abwehrzauber.</span></a> – <a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Khamsa?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Hand der Fatima</a></span></b> – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Ernst Petrasch: <style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r261891140">
/* start https://de.wikipedia.org/ */
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</style><a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20090206013634/http://www.tuerkenbeute.de/res/pdf/forschung/katalogtexte/Hoheitszeichen.pdf"><i>Hoheitszeichen. Fahnen und Rossschweif.</i></a> (<span class="webarchiv-memento"><a href="Webarchivierung#Begrifflichkeiten" title="Webarchivierung">Memento</a></span> vom 6. Februar 2009 im <i><a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></i>) (PDF; 101 kB) Aus: <i>Die Karlsruher Türkenbeute.</i> Badisches Landesmuseum, Karlsruhe 1991</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">Siegfried Seligmann, 1910, S. 178</span>
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<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Andrew Rippin: <i>Numbers and Enumeration.</i> In: Jane Dammen McAuliffe (Hrsg.): <i>Encyclopaedia of the Qurʾān.</i> <a rel="nofollow" class="external text" href="https://archive.org/details/EncyclopaediaOfTheQuranVol3">Band 3</a>, Brill, Leiden/Boston 2003, S. 551f</span>
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<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="%C4%B0sl%C3%A2m_Ansiklopedisi" title="İslâm Ansiklopedisi">İslâm Ansiklopedisi</a>, Band 2, S. 306f. s.v. ÂL-i ABÂ</span>
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<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20100328164155/http://www.sfusd.k12.ca.us/schwww/sch618/Clothing/Jewelry.html"><i>Medieval Islamic Cultures. Part V: Jewelry.</i></a> (<span class="webarchiv-memento"><a href="Webarchivierung#Begrifflichkeiten" title="Webarchivierung">Memento</a></span> vom 28. März 2010 im <i><a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></i>) Fatima-Geschichte aus der Türkei</span>
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<li id="cite_note-12"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-12">↑</a></span> <span class="reference-text">Wolfgang Creyaufmüller: <i>Nomadenkultur in der Westsahara. Die materielle Kultur der Mauren, ihre handwerklichen Techniken und ornamentalen Grundstrukturen.</i> Burgfried-Verlag, Hallein (Österreich) 1983, S. 233–446</span>
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<li id="cite_note-13"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-13">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20130115011245/http://sudanpolice.gov.sd/enportal/index.php">Republic of Sudan. Ministry of Interior. Sudan Police Force</a> (<span class="webarchiv-memento"><a href="Webarchivierung#Begrifflichkeiten" title="Webarchivierung">Memento</a></span> vom 15. Januar 2013 im <i><a href="Internet_Archive" title="Internet Archive">Internet Archive</a></i>)</span>
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<li id="cite_note-14"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-14">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Georg_Gerster" title="Georg Gerster">Georg Gerster</a>: <i>Nubien. Goldland am Nil.</i> Zürich 1964, S. 193, 194, 199, 208 zeigt Malereien, die es nicht mehr gibt. Handabdrücke an Außenwänden werden noch bei Boehringer-Abdalla 1987, S. 31 erwähnt.</span>
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<li id="cite_note-15"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-15">↑</a></span> <span class="reference-text">Gabriele Boehringer-Abdalla: <i>Frauenkultur im Sudan.</i> Athenäum Verlag, Frankfurt 1987, S. 94–105</span>
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<li id="cite_note-16"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-16">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Rudolf_Slatin" title="Rudolf Slatin">Rudolf Slatin</a>: <i>Feuer und Schwert im Sudan. Meine Kämpfe mit den Derwischen, meine Gefangenschaft und Flucht.</i> Edition Erdmann, Stuttgart 1997, S. 226</span>
</li>
</ol>
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